Zugeflogen
„Salat“ und „Frauenmantel“
Manchmal sind es die unscheinbaren Begegnungen, die bleiben: Frauenmantel und Salat.
Beim Salat denkt man an grüne Blätter, frisch geerntet, direkt auf dem Teller. Dass er irgendwann schießt, in die Höhe wächst und zu blühen beginnt, wird oft eher als Ende gesehen.
Dabei fängt es genau dort erst richtig an.
Die gelben Blüten wirken schlicht – und sind doch ein Magnet. Denn auch hier steckt ein kleines Wunderwerk der Natur dahinter: Was wie eine einzelne Blüte aussieht, ist in Wirklichkeit ein ganzer Blütenstand aus vielen kleinen Einzelblüten. Jede davon kann Nektar und Pollen liefern.
Bienen, Schwebfliegen, kleine Wildbienen und Käfer finden hier reichlich Nahrung. Und während die Pflanze oben leicht und luftig wird, entwickelt sich darunter längst die nächste Generation: Samen, die sich still im Garten verteilen und im nächsten Jahr wiederkehren.
Geschmacklich bleibt er überraschend präsent – leicht scharf, fast senfartig. Eine Bereicherung für jede Salatmischung und über viele Monate hinweg eine unkomplizierte Ergänzung aus dem eigenen Garten. Wie praktisch. So bleibt mehr Zeit, dieses kleine Wunderwerk der Natur zu beobachten – und fotografisch festzuhalten.
Daneben der Frauenmantel. Ruhiger. Fast zurückhaltend.
Seine gelbgrünen Blüten sind zart, beinahe schwebend. Und doch sind es vor allem die Blätter, die den Blick auf sich ziehen – denn sie erinnern tatsächlich an einen kleinen Mantel. Morgens liegen dort feine Wassertropfen wie kleine Perlen. Kein Zufall, sondern ein Zusammenspiel aus Blattoberfläche und Luftfeuchtigkeit – und für die Kamera jedes Mal ein kleines Wunder.
Auch hier findet Leben statt. Kleine Insekten, unscheinbar, aber zahlreich, nutzen Blüten und Blattwerk. Kein großes Schauspiel – eher ein leises, stetiges Dasein.
Zwischen beiden entsteht etwas Ausgeglichenes: der Salat, der sich entfaltet, Nahrung gibt und sich selbst erhält. Der inzwischen als Bodendecker fungierende Frauenmantel, dessen Blätter traditionell für Kräutertee verwendet werden, hält Feuchtigkeit und zeichnet mit jedem Tropfen ein neues Bild.
Für Insekten. Fürs Gleichgewicht. Für alle.
Dachauer Wasserturm
27.6. – 12.7.2026
Sa. + So., je 12 bis 18 Uhr
Persönlich vor Ort nach Vereinbarung
© Copyright 2026 Regina Merl (Texte und Bilder)
Gerne Anfrage vor Verwendung

