Zugeflogen
„Löwenzahn“ und „Pflaume“
Er kommt immer wieder. Ungefragt, unbeirrt – und erstaunlich ausdauernd: der Löwenzahn.
Eine Zeit lang wurde er mir sogar „zurückgebracht“. Vom Nachbarn, der ihn für Unkraut hielt und wenig Freude daran hatte. Was für ihn störte, landete kurzerhand in meinem Beet.
Ich habe ihn trotzdem wachsen lassen.
Denn hinter dem vermeintlichen Unkraut steckt mehr: eine alte Heilpflanze, junge Blätter als leicht herbe Ergänzung im Salat – und vor allem eine der ersten und wichtigsten Nahrungsquellen für Insekten im Jahr. Seine leuchtend gelben Blüten liefern früh Nektar und Pollen, genau dann, wenn das Angebot noch knapp ist.
Und dann diese Verwandlung: von der intensiven Blüte zur filigranen Kugel – ein kleines Universum aus Samen, bereit, weiterzureisen. Für meine Kamera jedes Mal ein neues Spiel aus Struktur, Licht und Vergänglichkeit.
Ganz anders – die Kirschpflaume.
Vor ein paar Jahren wuchs sie einfach aus einem vergessenen Kern. Irgendwo gesteckt, übersehen, später umgesetzt, beinahe verwechselt. Das rötliche Laub ließ mich zunächst an eine wilde Apfelsorte denken.
Und dann: gewachsen, gewachsen, gewachsen.
Noch bevor die anderen Obstbäume im Garten überhaupt Blätter zeigen, steht sie bereits in voller Blüte. Ein feiner, süßer Duft liegt in der Luft. Und mit ihm kommen die ersten Insekten – dankbar für das frühe Angebot an Nektar und Pollen.
Ein leiser Auftakt in die Saison. Für sie. Und für mich.
Im August dann die Früchte. Anfangs hielt ich sie für kleine Wildäpfel. Bald wurde jedoch klar: Es sind süße, leckere Pflaumen.
Welch Überraschung – und ein kleines Geschenk.
So unterschiedlich beide sind, so gut ergänzen sie sich: der Löwenzahn als früher Versorger am Boden, die Kirschpflaume als blühender Baum darüber. Zwei Pflanzen, die sich ihren Platz selbst gesucht haben – und ihn bereits im sehr zeitigen Frühjahr mit Leben füllen.
Für Insekten. Fürs Gleichgewicht. Für alle.
Dachauer Wasserturm
27.6. – 12.7.2026
Sa. + So., je 12 bis 18 Uhr
Persönlich vor Ort nach Vereinbarung
© Copyright 2026 Regina Merl (Texte und Bilder)
Gerne Anfrage vor Verwendung

