Reif für die Insel
Zeitlos –
mitten im „Bayerischen Meer“
Manchmal beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl:
Als würde man uns für erstaunlich naiv halten.
Ganz gleich, ob im nachbarschaftlichen Alltag, im beruflichen Kontext, im Newsletter, in sozialen Medien oder im Gespräch mit Dienstleistern – gelegentlich begegnen einem Begründungen, die eher inszeniert wirken als ehrlich. Kreativ sind sie ja, das muss man zugeben. Fast schon eine eigene Kunstform.
Geschickt Ausreden aneinanderzureihen, subtile Manipulationen elegant zu verpacken, ist das wirklich notwendig?
Ich frage mich manchmal: Glaubt man wirklich, das fällt nicht auf?
Oder gehört es inzwischen gesellschaftlich schon zum guten Ton, diese feinen Verdrehungen einfach mitzuspielen?
Für mich funktioniert das nicht.
Gefakte Newsletter bleiben ungelesen.
Halbgare Argumente hinterfrage ich freundlich – zunächst im Vertrauen auf das Gute. Widersprüche tauchen meist schnell auf. Das Nachfragen kommt nicht immer gut an. Warum eigentlich?
Ist es wirklich befriedigend, Menschen zu etwas zu bewegen, das sie ohne geschickte Rhetorik eher nicht tun würden?
Wäre ein respektvoller, ehrlicher Austausch auf Augenhöhe nicht viel einfacher – und nachhaltiger?
Authentizität statt Algorithmus
Gerade in sozialen Medien scheint der „soziale“ Aspekt oft zur Statistik zu werden. Reichweite, Algorithmen, Optimierung, strategische Formulierungen. Mitunter teuer erkaufte Empfehlungen, was funktioniert – welche Bilder, Headlines, Keywords mehr Aufmerksamkeit erzeugen.
Einmal bekam ich den gut gemeinten Rat, möglichst das zu posten, was viele Likes bringt – und mein bewusst gestaltetes Profilbild zu ändern, um vermeintlich mehr Follower zu gewinnen.
Meine Intuition war eindeutig:
Das bin nicht ich.
Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Anpassung, sondern durch Echtheit.
Authentizität ist kein Marketinginstrument. Sie ist Haltung.
Auch betrachte ich Kunst nicht nur als Freiheit, sondern als einen Prozess. Stilrichtungen verändern sich, Schwerpunkte verschieben sich, neue Projekte entstehen. Genau das macht künstlerisches Arbeiten lebendig. Und so freue ich mich darauf, bald ein fotografisches Projekt umzusetzen, das schon lange in mir wächst und mir sehr am Herzen liegt.
Ideen, Wertschätzung und ein kleines Erlebnis
Ideen sind das Kapital künstlerischer Arbeit. Sie entstehen intuitiv, entwickeln sich im Prozess zu Bildern, Texten, Konzepten – zu etwas Eigenständigem mit Haltung.
An dieser Stelle fällt mir eine schöne kleine Begebenheit bei einer Familienfeier ein:
Ich schenkte dem Geburtstagskind eine bepflanzte Schale mit essbaren Kräutern – die „runde“ Alterszahl liebevoll abbildend. Ein anderer Gast war so begeistert, dass er mich direkt fragte, ob er die Idee – vielleicht auch abgewandelt – übernehmen dürfe.
Als ich spontan „Natürlich!“ sagte, bedankte er sich herzlich und ehrlich.
Diese Selbstverständlichkeit von Respekt und Wertschätzung hat mich berührt. So einfach kann es sein.
Vielleicht liegt der Unterschied genau darin: Ideen, Phrasen, Wörter und Bilder nicht einfach öffentlich zu übernehmen, sondern achtsam mit ihnen und ihrer ursprünglichen Inspirationsquelle umzugehen.
Wichtig, authentisch, brotgebend – im Idealfall auch für den Ideengeber selbst.
In diesem Sinne könnte womöglich für Institutionen, die offen sind für Impulse im Bereich künstlerisch-experimenteller Fotografie, dieses Angebot
interessant sein: Individuelle Workshops für Gruppen
Ebenso wertvoll kann ein inspirierender Austausch auf Augenhöhe sein – gerade auch innerhalb von künstlerischen Vereinigungen. Dialog, Resonanz und gemeinsames Weiterdenken bereichern nicht nur das eigene Schaffen, sondern stärken auch die kulturelle Landschaft als Ganzes.
Vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Nachhaltigkeit von Kunst: im offenen, respektvollen Miteinander.
Manchmal beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl:
Als würde man uns für erstaunlich naiv halten.
Ganz gleich, ob im nachbarschaftlichen Alltag, im beruflichen Kontext, im Newsletter, in sozialen Medien oder im Gespräch mit Dienstleistern – gelegentlich begegnen einem Begründungen, die eher inszeniert wirken als ehrlich. Kreativ sind sie ja, das muss man zugeben. Fast schon eine eigene Kunstform.
Gerade in sozialen Medien scheint der „soziale“ Aspekt oft zur Statistik zu werden. Reichweite, Algorithmen, Optimierung, strategische Formulierungen. Empfehlungen, was funktioniert – welche Bilder, Headlines, Keywords mehr Aufmerksamkeit erzeugen.
Ich frage mich manchmal: Glaubt man wirklich, das fällt nicht auf?
Oder gehört es inzwischen gesellschaftlich schon zum guten Ton, einfach mitzuspielen?
Inselzeit im „Bayerischen Meer“
Wenn einem die kleinen Inszenierungen des Alltags hin und wieder zu viel werden sollten, dann weiß ich, wohin.
In die Südsee
oder in skandinavische Fjorde?
Eine Möglichkeit. Es geht jedoch – zumindest für mich – einfacher: Auf eine kleine Insel im größten ganz in Bayern liegenden See, dem Chiemsee – oft auch als „Bayerisches Meer“ bezeichnet.
Die kleine, autofreie Insel, die Fraueninsel, ist nur etwa 600 Meter lang und 300 Meter breit. Ein rund eineinhalb Kilometer langer Uferweg umrahmt sie. Entstanden ist sie wohl nach der letzten Eiszeit und ihre Geschichte reicht etwa 1200 Jahre zurück, mit der Gründung des Klosters Frauenwörth.
Ohne Kamera dorthin zu fahren?
Für mich kaum vorstellbar.
Touristisch geprägt ist sie durchaus, vor allem in den Sommermonaten.
Meine persönlich bevorzugte Reisezeit liegt jedoch im Herbst und Winter – wovon auch die Bildershow oben erzählt.
Die intensiven Blau-, Grün- und Rottöne, das Licht, die klare Luft – und diese besondere Ruhe, die sich einstellt, wenn das letzte Linienschiff abgelegt hat. Wer über Nacht bleibt, erlebt eine andere Welt: Weite. Stille. Zeit.
Besonders die über tausendjährige Linde beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue – ein lebendiges Zeugnis von Beständigkeit und Wandel zugleich.
Eine Insel zum Durchatmen. Zum Beobachten. Zum Sammeln neuer Ideen. Zum inneren „Akku“ aufladen. Und natürlich: zum Fotografieren – zeitlos und voller Motive.
(Fast) egal an welchem – womöglich auf den ersten Blick unspektakulären – Ort: Gerne gebe ich meine Erfahrungen in besonderen Foto-Workshops weiter – für Institutionen, die offen sind für Impulse im Bereich künstlerisch-experimenteller Fotografie, oder in kleinen, individuellen Gruppen. Ich freue mich auf Ihre/Eure Anfrage!
Zum Schluss
Nicht zuletzt – kreisschließend, historisch und passend zu diesem malerischen Ort, der bereits von vielen Künstlern aufgesucht worden ist – eine gemalte kleine Übung auf meiner ersten nach alter Akademietradition selbst bespannten und grundierten Leinwand. Ich erinnere mich noch gut an das „Intensivseminar Malerei“, das ich besuchte. Jahre später erfuhr ich, dass der Dozent von damals inzwischen Professor an einer Hochschule für Bildende Künste ist.
Manchmal sind es genau diese Wege – ehrlich, suchend, experimentell – die bleiben.
Und vielleicht besteht die eigentliche Kunst des Lebens doch nicht im geschickten Verbergen, sondern im mutigen Echtsein.
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